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.Aber Fae sah das anders.Und Seth war klug genug, sie nicht ausgerechnet jetzt noch weiter zu provozieren.Darum senkte er, scheinbar beschämt, den Kopf.»Und was hast du jetzt vor?«Fae funkelte ihn schneidend an und holte ein wenig angestrengt Luft.»Zuallererst, Seth – wirst du gehen.«Seth zuckte heftig zusammen.Nein! Er musste sich verhört haben.Sie verstieß ihn wirklich? Das konnte doch nicht ihr Ernst sein!Faes Hand lag auf seiner Brust, federleicht trotz ihres eisigen Tonfalls.Seth fühlte die Kraft, die von ihr ausging, eine Kraft, die ihn innerhalb eines Wimpernschlags jedes einzelne seiner verbliebenen acht Leben kosten konnte.Er schauderte.»Aber …«, setzte er zum Protest an.Doch Fae ließ ihn nicht zu Wort kommen.»Es war dein eigener Fehler«, flüsterte sie.»Und ich habe dich oft genug gewarnt.Dieses Mal gibt es keine zweite Chance.« Auch ihre andere Hand lag nun auf seiner Brust.»Du bist zu weit gegangen, und du weigerst dich, zu lernen.Solange du so eine Gefahr für das Nachtglas bist, gibt es hier keinen Platz mehr für dich.«Ein Ziehen und Drängen prickelte in Seths Körper, ein bittersüßer Schmerz, als er spürte, wie er aus dem Refugium der Wächter hinausgedrängt wurde, ehe er auch nur die Chance hatte, noch etwas zu sagen oder zu tun.Seine Gedanken zerfaserten.Sein Mund wollte sich öffnen, um ein letztes Wort zu sagen – da merkte er, dass er bereits kein Gesicht mehr hatte.Er schwand, und ihm blieb nicht einmal Zeit, in Panik zu verfallen.»Leb wohl, Seth …«Im letzten Augenblick, ehe er sich völlig auflöste, fühlte er noch Faes warme Lippen auf seinen, die dort ein Abschiedsgeschenk hinterließen.Ein winziges Licht, das seinen Geist beisammenhalten würde.Dann war die Glashalle fort, und er fiel.Hinab in die traumleere Dunkelheit.Schon als Nele noch vor der Haustür stand und in den Tiefen ihres Rucksacks nach dem Schlüssel suchte, hörte sie von drinnen das Telefon klingeln.Hastig zerrte sie den Schlüssel hervor, fummelte ihn ins Schloss und hetzte ins Wohnzimmer, ohne die Schuhe auszuziehen, obwohl sie von dem feuchtkalten Frühlingsnieselregen draußen nass und dreckig waren.Vielleicht war es Paps!Nele riss den Hörer ans Ohr.»Martens?«»Nele!«»Oh, Lilly!«Beim Klang ihrer Stimme fiel ein ganzes Gebirge von Neles Herzen.Ihr war, als sei ihr erst in diesem Moment richtig bewusst geworden, wie sehr die Freundin ihr gefehlt hatte.Und heute ganz besonders.»Warum hast du denn dein Handy aus, ich hab ewig versucht, dich zu erreichen!« Lilly klang mindestens ebenso aufgewühlt, wie Nele sich fühlte.»Mein Handy …« Mühsam sammelte Nele ihre Worte zusammen.»Ich wusste nicht, dass es aus ist.Der Akku muss tot sein.«Lilly am anderen Ende der Leitung holte tief Luft.Dann stieß sie den Atem langsam wieder aus.»Tut mir leid, dass ich mich erst jetzt melde«, sagte sie leise.»Ich hab’s einfach nicht geschafft.Waren die Nächte sehr schlimm?«Nele antwortete nicht sofort.Die Nächte.Ach ja.Seth.Den hatte sie über ihrer Sorge um Jari ganz vergessen.Jetzt schien es ihr geradezu banal, sich so viele Gedanken um ihn gemacht zu haben.Langsam ging Nele zum Sofa und ließ sich in die Polster fallen.Dann schnürte sie ihre Schuhe auf und trat sie unter den Couchtisch.»Nele?« Lillys Stimme hatte etwas Drängendes.»Nein, es ging«, sagte Nele endlich.»Nur ein bisschen anstrengend.« Und das stimmte sogar.»War der Typ wieder da?«»Mmh-mmh«, machte Nele abwehrend und lehnte sich zurück in die dicken Polster.Von hier aus konnte sie dem Regen zusehen, wie er an der Verandatür hinunterlief.Sie wollte jetzt nicht an Seth denken.Die ganze Zeit ging ihr der aufwühlende Besuch bei Jaris Mutter im Kopf herum.Aber sie hätte nicht gewusst, wie sie das in Worte fassen sollte.Ich darf mich nicht verrückt machen, dachte sie und wusste gleich, dass es sinnlos war, sich zu ermahnen.Dabei konnte es tausend logische Gründe haben, warum Jari heute nicht in der Schule gewesen war.Wenn er sich nur nicht wieder mit seinem Vater gestritten hatte …»Ich habe ihn weggeschickt«, zwang sie sich zu sagen, als ihr aufging, dass Lilly offenbar auf eine ausführlichere Antwort wartete.»Und letzte Nacht habe ich ihn nicht gesehen.«»Echt komisch.« Lilly klang nachdenklich – und noch immer ziemlich besorgt.»Was ist das denn für einer? Ein Mensch?«Nele legte die Füße ebenfalls auf die Couch und zog die Wolldecke darüber, die über der Armlehne lag.Lilly hatte extra angerufen, weil sie sich sorgte.Und rational betrachtet war es auf jeden Fall gut, wenn sie mit jemandem über Seth sprach.Sie sollte sich jetzt wirklich zusammenreißen.»Nein, ich glaube nicht.Ich meine, er sieht in etwa wie ein Mensch aus, aber eigentlich auch wieder nicht.Seine Haut ist wie aus Milchglas, aber schwarz, und er hat total krasse Augen – flüssiges Gold.Wenn er sich bewegt, oder von seinem Blick her, hat er eher etwas von …« Sie stockte erschrocken, als ihr klar wurde, was sie gerade im Begriff war zu sagen.»… einer Katze«, schloss sie tonlos.Von einem Wimpernschlag zum nächsten stand ihr plötzlich wieder in aller Klarheit das Bild des Katers auf ihrem Balkon vor Augen.Das Gefühl, ihn von irgendwoher kennen zu müssen, prickelte in ihrem Magen.Und jetzt wusste Nele auch, woher es kam.Seth und der Kater! Sie waren sich zum Verwechseln ähnlich! Das konnte einfach kein Zufall sein.Aber wie war das denn möglich? Sie hatte doch schon von Seth geträumt, bevor sie das Tier zum ersten Mal gesehen hatte … Nele spürte, wie sich in ihrem Nacken und auf ihren Armen alle Härchen aufrichteten.Und nun plötzlich war es das Problem mit Jari, das in den Hintergrund rückte [ Pobierz całość w formacie PDF ]
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